Aktuelle Mitteilungen des Landesanglerverbandes
Mecklenburg-Vorpommern e.V.

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DAFV: Die Drohnen kommen - Einsatz von Drohnen beim Angeln

Görslow/ Berlin, den 15.08.2017

DAFV:  Die Drohnen kommen - Einsatz von Drohnen beim Angeln

Gerade hat ein Drohnen Hersteller eine neue Unterwasserdrohne auf den Markt gebracht mit der man auch „angeln“ kann. Die Drohne transportiert den Köder über Wasser zum Fisch. Zum Auffinden der Fische ist sie mit einer Kamera und einem Echolot gekoppelt.

Video: Wer einen Eindruck bekommen will, wie eine solche Fischerei aussieht, kann sich den folgenden Film ansehen: https://youtu.be/8sdUZqOoAq4

Es ist zu erwarten, dass die ersten Drohnen früher oder später auch an deutschen Gewässern auftauchen bzw. abtauchen. Es drängen sich zwangsläufig zwei Fragen auf: Wie ist der Einsatz solcher Hilfsmittel fischereirechtlich und wie ist er waidmännisch zu bewerten?

Fischereirechtliche Bewertung in Deutschland

Der Einsatz der Drohne lässt sich nicht auf Grund des Gemeingebrauchs am Gewässer rechtfertigen. Nach § 23 WHG darf jedermann oberirdische Gewässer in dem Umfang benutzen, wie es das Landesrecht als Gemeingebrauch gestattet, soweit nicht Rechte anderer entgegenstehen.

Da die Drohnen zum Aufsuchen von dem Fischereirecht unterliegenden Tiere und ggfs. zu deren Fang eingesetzt werden sollen, ist das Fischereirecht betroffen.

Solange keine Regelung durch die Landeswassergesetze erfolgt ist, ist allein die Regelung der Landesfischereigesetze entscheidend.

In den Landesgesetzen findet sich schon deshalb keine Regelung über den Einsatz von Drohnen, weil es diese bisher nicht gab. Aber viele Gesetze haben Regelungen über das Verbot des Einsatzes schädigender Mittel oder Licht und Strom (vgl. LFischG SchHG § 31).

 

Solange eine gesetzliche Regelung nicht vorliegt, gilt folgendes:

Über die Art der Fischereiausübung entscheidet der Inhaber des Fischereirechts, wenn dieses Recht verpachtet ist, der Fischereipächter. Die Mehrzahl der Gewässer ist an Fischereiorganisationen (Vereine und Verbände) verpachtet. Diese können im Rahmen der gesetzlichen Grenzen über den Einsatz von Drohnen eigenständig eine Erlaubnis oder ein Verbot, Drohnen einzusetzen, erlassen.

Wo darf man überhaupt eine Drohne aufsteigen lassen?

Die „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“ vom 30. März 20171 regelt den Betrieb von Drohnen. Nach der Verordnung ist es verboten Drohnen in folgenden Gebieten ohne gesonderte Genehmigung aufsteigen zu lassen:

1 http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/LR/151108-drohnen.html

2 https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__7.html

5. über und in einem seitlichen Abstand von 100 Metern von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen, soweit nicht die zuständige Stelle dem Betrieb ausdrücklich zugestimmt hat,

6. über Naturschutzgebieten im Sinne des § 23 Absatz 1 des Bundesnaturschutzgesetzes, Nationalparken im Sinne des § 24 des Bundesnaturschutzgesetzes und über Gebieten im Sinne des § 7 Absatz 1 Nummer 6 und 7 des Bundesnaturschutzgesetzes, soweit der Betrieb von unbemannten Fluggeräten in diesen Gebieten nach landesrechtlichen Vorschriften nicht abweichend geregelt ist,

Das Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG)2 weist in §7 Absatz 1 Nummer 6 und 7 folgende Definition auf:

6. Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung

die in die Liste nach Artikel 4 Absatz 2 Unterabsatz 3 der Richtlinie 92/43/EWG aufgenommenen Gebiete, auch wenn ein Schutz im Sinne des § 32 Absatz 2 bis 4 noch nicht gewährleistet ist;

7. Europäische Vogelschutzgebiete

Gebiete im Sinne des Artikels 4 Absatz 1 und 2 der Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (ABl. L 20 vom 26.1.2010, S. 7), wenn ein Schutz im Sinne des § 32 Absatz 2 bis 4 bereits gewährleistet ist;

Damit wären weite Teile der Gewässer in Deutschland zumindest für den Einsatz von fliegenden Drohnen ausgenommen.

 

Kritische Betrachtung

Die beiden Produkte sind noch relativ neu auf dem Markt und wurden nicht in Deutschland entwickelt. Trotzdem ist zu erwarten, dass sie bald auch an Gewässern in Deutschland auftauchen. Der Einsatz technisierter Hilfsmittel hat seit vielen Jahren auch beim Angeln Einzug gehalten (Echolot, Futterboote usw.). Es drängt sich immer die Frage auf, wo zieht man eine Grenze. Kritiker befürchten, dass das Angeln mit Drohnen und Virtual Reality Brillen zu einer Art Videospiel verkommt.

Angler und Fischer unterziehen sich seit hunderten von Jahren freiwilligen Selbstbeschränkungen. Man sollte immer bedenken, dass es für Menschen mit geeigneten Hilfsmitteln kein Problem darstellt sämtliche Fische in kürzester Zeit aus einem Gewässer zu entnehmen. So stellt sich die immer wiederkehrende Frage, welche Methoden bzw. Fanggeräte sind erlaubt und wie gehen die jeweiligen Angler damit um.

Das Thema Angeln ist laut aktuellen Umfragen in der öffentlichen Wahrnehmung überwiegend positiv besetzt. Erholung am Gewässer, Naturerfahrung, Entschleunigung stellen einen Gegenpol zu der technisierten Welt dar. Die Vorstellung das Angler mit „Virtual Reality“-Brillen und ferngesteuerten Drohnen am Wasser Fischen nachstellen, könnte nach Meinung des DAFV auch die Akzeptanz des Angelns in der Gesellschaft negativ beeinflussen.

Sollte der Einsatz hochtechnisierter und kostenintensiver Hilfsmittel darüber entscheiden, welcher Angler mehr oder größere Fische am Gewässer fängt, so könnte das sicher auch innerhalb der Anglerschaft zu Konflikten führen. Auch wenn die Drohnen laut Herstellerangaben die Möglichkeiten bereitstellt Fische selektiv zu befischen, so wäre sie vermutlich auch dazu geeignet, schlicht und einfach den Fangertrag zu steigern.

Rechtliche Ausarbeitung durch die Fischerei- und Wasserrechtskommission (FWK)

Olaf Lindner, DEUTSCHEr ANGELFISCHERVERBAND e.V. (DAFV)

Olaf Lindner, DEUTSCHEr ANGELFISCHERVERBAND e.V. (DAFV)


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